Jürgen Schulze-Seeger
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»Life is what you make it.«
Jürgen Schulze-Seeger ist einer der Gründer von BRIDGEHOUSE und arbeitet seit über vierzig Jahren als Trainer, Organisationsentwickler, Coach und Autor. Zusammen mit Sabine Venske-Hess leitet er die BRIDGEHOUSE Trainer Academy und ist auf Leadership, Konflikte sowie das Meistern schwieriger und schwerster Gesprächssituationen spezialisiert. Sein dreitägiges Signature-Konflikt-Training »Tough Conversations« mit Einsatz von Seminarschauspieler:innen findet derzeit viermal im Jahr in verschiedenen Regionen Deutschlands statt.
Meine Schwerpunkte
- Leadership
- Konflikte
- Purpose, Vision, Values – The Infinite Book
- Organisationsentwicklung
- Masterclasses für Trainer:innen
Was Jürgen erzählte, wenn man ihn fragen würde:
»Ich liebe Anfänge. Momente, in denen man sich auf den Weg macht, was Neues zu lernen. Zuerst: Totale Inkompetenz. Dann Hunger. Verwirrung. Dann echter Thrill, wenn die ersten kleinen Dinge gelingen. Dann manchmal Lernfortschritte in rascher Folge, bis man irgendwann im Bereich des (mittelmäßigen) Könnens angelangt. Der Bereich, ab dem der lange, steinige Weg zum Experten beginnt. Den größten Reiz aber hat in alledem der Anfang. The delicate beginning. Ich bin süchtig danach. Vielleicht habe ich deshalb so viele Dinge in meinem Leben begonnen.
Wenn das Leben so eine Art Reise ist, gab’s da bisher nicht viel Zeit zum Rasten. Ich wurde 1966 geboren und bin seitdem unterwegs in Sachen Lernen. Vielleicht ist das auch der einzige rote Faden für mich. Ich bin in Hessen geboren, im Süden Berlins aufgewachsen und habe das erste Mal Menschen in etwas unterrichtet, als ich neun war. Gitarrespielen. Und Nachhilfe in allen möglichen Fächern. Ich selbst habe mich in der Schule eher so durchgemogelt. Minimaler Aufwand für ausreichende Ergebnisse. Bis zum Abi. Lernen fiel mir leicht. Fleißig sein nicht so.
Während meiner Abiturzeit gründete ich dann noch einen fluktuierenden Handel mit Gebrauchtwagen und Oldtimern (mir war langweilig und ich mochte alte Autos). Mit einer Werkstatt in Polen. Zu Ostblockzeiten ein wirkliches Abenteuer!
Dann war Abitur vorbei.
Auf die Worte meines Vaters hin: »Lern erst mal was Anständiges« bewarb ich mich bei drei Banken für eine Lehre als Kaufmann und wurde – zu meiner eigenen Überraschung – bei zweien angenommen. Die Dritte existiert heute nicht mehr. Das muss irgendwas bedeuten.
Was dann geschah, hat sehr viel mit meiner späteren Arbeit als Leadership-Trainer zu tun. Ich hatte nämlich damals an jedem einzelnen Tag, zu jeder verdammten Stunde das lähmende Gefühl, etwas zu tun, was überhaupt gar nichts mit mir, meinen Talenten oder Neigungen zu tun hatte. Nicht, dass ich die damals schon so genau gekannt hätte. Aber ich hätte sie durch die Arbeit doch gerne kennengelernt. Vor allem hätte ich gerne mehr Spaß gehabt. Am Ende der Ausbildung sagte mein damaliger Zweigstellenleiter zu mir: »Herr Schulze-Seeger, wenn Sie sich noch ein bisschen mehr anstrengen, kann irgendwann einmal ein richtig guter Kassierer aus ihnen werden!« … Kassierer?! Ich?! Wenn er doch »Rockstar« gesagt hätte! In der Kasse jedenfalls war ich während meiner gesamten Lehrzeit eine wirkliche Niete. Am Ende des Tages stimmte die Kasse so gut wie nie und ich habe meine Kolleg:innen damit in den Wahnsinn getrieben. Das müssen doch Menschen machen, die das können! Oder nicht?!

Viel wichtiger aber: Wie kann es sein, dass man als verantwortliche Führungskraft zwei Jahre Lebenszeit mit einem Menschen verbringt und dabei so wenig von dessen Defiziten und Stärken wahrnimmt? Ich plädiere seitdem für mehr Nähe zwischen Menschen in Organisationen. Für echtes Interesse! Neugierde! Und dafür, dass Führungskräfte sich verdammt nochmal auf die Suche nach den Potenzialen ihrer Mitarbeiter:innen machen. Was motiviert meine Leute? Was brauchen sie, um richtig gut zu sein? Und über allem: Wie kann jeder Mensch den größten Teil seines Lebens – die Zeit, in der er arbeitet – wirklich wirksam gestalten? Mit Freude und mit Hingabe.
Studiert habe ich Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Organisationspsychologie in Berlin und Paris. Na gut, in Paris habe ich jetzt nicht sooo viel studiert. Sagen wir so: Es gab Ablenkung. Trainiert habe ich aber die ganze Zeit. Seit ich sechzehn bin, also quasi schon immer. Erst nebenbei. Am Anfang viel »Verkauf« (das konnte ich selber ganz gut). Später Rhetorik, Verhandeln, Kommunikation und (als ich genug graue Haare und selber Angestellte hatte) dann Führung. Weil irgendwie alles in der Führung von Menschen und sich selbst mündet.
Gleichzeitig hatte ich eine kleine Werbeagentur in Berlin, deren Gründer und Frühstücksdirektor ich war. Und eine kleine Praxis für Paarberatung. Und eine kleine Catering Firma. Und eine kleine Firma für Ladenausbau. Und eine kleine Funk-Band. Ach… die Band! Wenn man was über Gruppendynamik, Konflikte und Teamwork lernen möchte, gründet man eine Band! Das waren klasse fünfzehn Jahre.
Irgendwann ging das mit dem morgens-um-fünf-Instrumente-abbauen-und-aus-einem-Club-fallen-und-dann-um-zehn-ein-Managementtraining-eröffnen dann nicht mehr so gut. Die Band fehlt manchmal. Ungefähr so, wie einem ein fehlendes Bein fehlen kann. Die Musik ist geblieben.
Kurz bevor ich die Band und das wilde Leben verließ, pünktlich zum Start ins neue Millennium, wurde dann eh alles anders: Ich lernte meine heutige Frau und ihren damals vierjährigen Sohn Finn kennen. Bäm! Liebe! Bäm, äh… Ben wurde dann 2002 geboren und seitdem ist die Welt keine Scheibe mehr. Wir vier gehen durch dick und dünn (ehrlich gesagt ziemlich viel dick und ganz, ganz wenig dünn). Später kam dann noch ein Kind mit Fell dazu. Luke Snowwalker. Ein West Highland White Terrier von großer Weisheit und Treue.
Weil ich selbst so viel Spaß mit den Menschen in der Kommunikationsbranche habe, habe ich in den letzten Jahren immer mehr in der Werbung gearbeitet. Überwiegend Leadership. Daneben finde ich Konflikte spannend (was stimmt nicht mit mir?!) und habe daraus ein Buch geschrieben und ein ziemlich gut funktionierendes Trainingsformat gebastelt, das ich seit vielen Jahren trainiere. Tough Conversations! (Ja, ich mag schwierige Menschen… noch einmal: WAS – VERDAMMT – STIMMT NICHT MIT MIR?!).
Ich war bei vielen Lehrer:innen. Denn jeder Mensch ist aus meiner Sicht zugleich Lehrer und Lernender. Und deshalb habe ich bis heute das Gefühl der Dankbarkeit, diesen Menschen begegnet zu sein und von ihnen lernen zu dürfen. Allen voran den tausenden Teilnehmer:innen, durch deren Leben ich für kurze Zeit getrampelt bin.
2009 kam mein Buch »Schwarzer Gürtel für Trainer« heraus, in dem ich meine Erfahrungen mit schwierigen Seminarsituationen in praktische Werkzeuge für meine Trainerkollegen übersetzt habe. Es folgte »Abenteuer aus der Trainerhölle«. Beide erschienen im Beltz Verlag. Bis heute bilde ich Trainer darin aus, Menschen beim Lernen zu begleiten. Lernen muss nämlich Spaß machen. Und Lernen macht vor allem dann Spaß, wenn man es als das begreift, was es ist: ein Spiel. Vielleicht das einzig uneingeschränkt lohnenswerte in diesem Leben. Denn Lernen führt zu Veränderung. Und die kann Dein Leben und die Welt ein bisschen besser machen.
Dasselbe wünsche ich Dir. Das Leben ist, was Du daraus machst.
P.S.: Weil man mir in meiner Jugend gesagt hat, ich könne nicht schreiben, habe ich einen Roman geschrieben. Der erschien 2021 und hat sich, für einen Debütanten wie mich, bis heute überraschend gut verkauft. Ein historischer Roman, der sich um Rhetorik, Mord und Totschlag dreht: »Die Schule der Redner«. Erschienen im Heyne Verlag und unter meinem Mittelalter-Romanautor-Pseudonym ›Johann Seeger‹.«